Wo jede Schere eine Million Schnitte übersteht: KI-Workshop bei Original LÖWE
Bei Original LÖWE in Flintbek wird seit über 100 Jahren gestanzt, geschliffen und montiert. Das Familienunternehmen Gebr. Schröder GmbH fertigt professionelle Scheren für Wein-, Obst- und Gartenbau sowie für die Industrie. Das KI.SH-Team bekam eine Führung durch die Fertigung und im anschließenden KI-Workshop wurden KI-Anwendungsfälle gemeinsam mit dem Team vor Ort erarbeitet.
Vom Rohling zur Profi-Schere in dutzenden Arbeitsschritten
Wer durch die Fertigung geht, erlebt den kompletten Werdegang einer Schere. Es beginnt mit dem Stanzen des Rohlings, dann folgen Pressschritte, Verchromung und eine besonders kritische Phase: die Wärmebehandlung. Vom Ofen geht es direkt ins Salzbad. Die exakte Übergangszeit entscheidet über die Materialqualität. Danach wird geschliffen, lackiert und verpackt. Im Lager können bis zu 30.000 Scheren für den Versand vorbereitet werden.
Leichtgängig, aber ohne Spiel: warum der Zusammenbau Handarbeit bleibt
Das Schleifen läuft vollautomatisch, Stanzen und Pressen halbautomatisch. Aber der Zusammenbau ist komplett manuell. Jede Schere wird von Hand justiert: "Leichtgängig muss sie sein, aber ohne Spiel. Sonst klappert es." erklärt Randolph Schröder, Geschäftsführer von Original LÖWE und legt am Amboss selbst Hand an. Getestet wird auf eine Million Schnitte. Rund 55 Mitarbeitende sorgen am Standort Flintbek dafür, dass die Qualität stimmt.
130 Gefahrstoffe, Excel-Tabellen und eine Holschuld – wo KI ansetzen kann
Nach einer kurzen Einführung in Künstliche Intelligenz durch Max Brede wurden drei konkrete Use Cases durchgearbeitet: erstens die automatisierte Erstellung technischer Produktdatenblätter, bei der bisher Daten aus verschiedensten Quellen händisch zusammengetragen werden. Zweitens das Gefahrstoffmanagement mit rund 130 Stoffen und jeweils 15 bis 20 Seiten starken Sicherheitsdatenblättern. Drittens ein Assistenzsystem für die Geschäftsführung, das bei Compliance-Vorgaben unterstützt. Denn hier gilt eine Holschuld – ein enormer Aufwand, der manuell kaum zu bewältigen ist.
Business Case statt teures Hobby
In Kleingruppen wurden die Use Cases methodisch abgeklopft: Wie sieht der Arbeitsprozess aus und wie häufig wird dieser durchgeführt? Was kann KI leisten? Wo liegt der Mehrwert? Denn nicht jeder auf den ersten Blick mögliche Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz ist auch sinnvoll. Die Maßgabe ist klar: KI muss nicht nur technisch funktionieren, sondern auch einen klaren "Business Case" erfüllen – sonst bleibt sie ein teures Hobby. Wir freuen uns bereits auf die weitere Zusammenarbeit mit Original Löwe.
KI ausprobieren – mit Unterstützung von KI.SH
Sie möchten herausfinden, wo KI in Ihrem Unternehmen ansetzen kann? KI.SH bietet kostenfreie Workshops und Beratung für kleine und mittlere Unternehmen in Schleswig-Holstein. Unsere Termine und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf unserer Webseite:
