zum Hauptinhalt springen
Menü

Wartung mit Weitblick: KI-gestützte Störungserkennung in Solaranlagen

Wie können Unternehmen frühzeitig erkennen, ob eine Photovoltaikanlage nicht mehr optimal läuft oder sogar ausfallen könnte? Mit dieser Frage haben sich die Solar-Energie Andresen GmbH in einer Machbarkeitsstudie gemeinsam mit KI.SH auseinandergesetzt. Das Ziel bestand darin, Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, um aus umfangreichen Leistungsdaten Vorhersagen zur Funktionsfähigkeit der Anlage abzuleiten. Dadurch sollte der Wartungsaufwand effizienter gestaltet werden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen. Der Inhalt ist vom Typ Video.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden und akzeptiere alle Cookies dieser Webseite. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung und Cookie-Erklärung.
Konfidenzwert

Konfidenzwert

Ein Konfidenzwert ist ein Wert zwischen 0 und 1, der angibt, wie sicher ein KI-Modell bei einer einzelnen Vorhersage ist. Der Konfidenzwert hilft dabei, Vorhersagen besser einzuschätzen, zu filtern oder bei Unsicherheit weitere Entscheidungen zu treffen.

Die Herausforderung: Ursachenvielfalt von Ausfällen

Solar Andresen betreut zahlreiche Solaranlagen, deren Leistung kontinuierlich überwacht wird. Fällt die Leistung einer Anlage ab, wird ein Techniker zur Fehlersuche geschickt. Die häufigsten Defekte sind laut André Löchel, Teamleitung IT bei Solar Andresen durchgebrannte Dioden, vom Wind ausgerissene Kabel oder der bei Autofahrer:innen gefürchtete Maderbiss.

Doch nicht immer steckt ein Defekt dahinter: Oft sind es auch Wolken, Verschmutzungen, jahreszeitliche Effekte oder andere äußere Einflüsse, die zu einem geringeren Stromertrag führen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass die verfügbaren Daten zwar Auskunft über die erzeugte Leistung geben, die Ursachen für Abweichungen jedoch vielfältig sind und sich in den Ticketdaten oft nicht eindeutig dokumentieren lassen.

Das Ziel: Verlässliche Vorhersagen und mehr Transparenz

Das Ziel der Machbarkeitsstudie war es, ein System zu entwickeln, das automatisch erkennt, wann eine Anlage tatsächlich einen ertragsmindernden Fehler aufweist, und dabei möglichst wenige Fehlalarme produziert. Ein sogenannter „Konfidenzwert” sollte anzeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein technisches Problem vorliegt. Gleichzeitig sollte das System auch Fälle markieren, in denen zwar weniger Leistung erzeugt wird, aber kein Defekt vorliegt, z.B. durch einen vorbeiziehenden Schatten.

Das KI.SH Team stellt seine Ergebnisse vor: Ben Biesenbach und Kishan Ajudiya, beide KI.SH gehen auf die Fragen der Solar Andresen Mitarbeitenden ein.

Verschiedene Ansätze im Praxistest

Um den vorhandenen Datensatz auszuwerten, testete das Projektteam, bestehend aus Marvin Kühl, Ben Biesenbach und Kishan Ajudiya, mehrere Methoden.

  1. Um mögliche Auffälligkeiten in der Leistung der Solarmodule zu identifizieren, wurde ein aufbereiteter Datenanalyse-Ansatz entwickelt. Dabei wurden die Rohmessdaten zunächst bereinigt: Fehlende oder unvollständige Werte zur Sonneneinstrahlung ersetzte man durch geprüfte Wetterdaten aus einer verlässlichen externen Quelle. So entstand ein konsistenter Datensatz als Grundlage für die Auswertung.
    Die Leistung jedes Moduls wurde mithilfe der sogenannten Performance Ratio normalisiert und sowohl im Vergleich zu anderen Modulen derselben Anlage als auch anlagenübergreifend betrachtet. Das System konzentrierte sich dabei auf Abweichungen, die über mehrere Tage hinweg bestehen blieben. Kurzfristige Leistungseinbrüche – zum Beispiel durch vorbeiziehende Wolken – wurden ignoriert. Mit diesem Verfahren rückten länger andauernde technische Probleme wie Verschmutzungen oder elektrische Unterbrechungen in den Fokus. Potenziell fehlerhafte Module konnten so gezielt identifiziert und Wartungs- und Serviceeinsätze deutlich präziser geplant werden.
  2. Ein anderer Ansatz setzte auf den direkten Vergleich von Leistungskurven unabhängig von absoluten Ertragswerten. Dazu wurde ein Algorithmus verwendet, der auf der Dynamic Time Warping Methode basiert. Dieser verglich Zeitreihenabschnitte der einzelnen Strings von Solarpanelen miteinander, um ungewöhnliche Verläufe in der Leistung der Panele automatisch zu erkennen. Auf Basis dieses Vergleichs konnten Tage mit ähnlichen Leistungskurven gruppiert (geclustert) und auffällige Muster identifiziert werden. Deutlich wurde, dass nicht jede Abweichung einen Defekt bedeutete – oft waren äußere Einflüsse wie Wolken die Ursache des Leistungseinbruchs.

  3. Mithilfe eines dritten statistischen Ansatzes konnten leistungsschwache oder defekte Strings identifiziert werden. Zunächst wurden jene Strings herausgefiltert, deren Leistung dauerhaft deutlich unter dem Durchschnitt aller Strings lag. Anschließend wurde überprüft, wie sich die Leistungsunterschiede zwischen den übrigen Strings verändern, wenn die auffälligen Kandidaten aus der Berechnung entfernt werden. Verringern sich diese Unterschiede deutlich, gibt dies einen Hinweis auf fehlerhafte Technik, da die verbleibenden Strings homogener arbeiten. Um auch mehrere Probleme gleichzeitig zu erkennen, wurden zusätzlich Kombinationen der verdächtigen Strings – etwa als Zweier- oder Dreiergruppen – testweise ausgeschlossen. Grundlage des Verfahrens ist die Annahme, dass nicht ein großer Teil der Panele gleichzeitig ausfällt. Diese Annahme konnte durch die vorliegenden Messdaten bestätigt werden.
Performance Ratio

Performance Ratio

Die Performance Ratio (PR) ist ein Maß für die Effizienz von Photovoltaik-Anlagen. Sie gibt das Verhältnis von tatsächlichem zu idealem Ertrag an. Ein hoher PR-Wert signalisiert eine optimale Anlagenleistung, während ein niedriger Wert auf Probleme hinweisen kann.

Dynamic Time Warping

Dynamic Time Warping

Dynamic Time Warping ist ein Verfahren, das zwei Zeitreihen so miteinander vergleicht, dass Abweichungen in Geschwindigkeit, Länge oder zeitlicher Ausrichtung ausgeglichen werden.

Ergebnis der Machbarkeitsstudie

Die verschiedenen Ansätze bestätigten sich gegenseitig: Durch die Kombination der Methoden konnte ein System entwickelt werden, das automatisch Tickets für echte Störungen erstellt und Fälle bloßer Leistungsschwankungen (z.B. durch das Wetter) klar kennzeichnet. So müssen Techniker künftig nur noch bei tatsächlichen Problemen ausrücken. Dies spart Zeit und Kosten und sorgt für mehr Transparenz im Wartungsprozess. Die Arbeit des Projektteams konnte die Machbarkeit einer Vorhersage des Ausfalls von Solarmodulen auf Basis der Daten der Solar-Energie Andresen GmbH belegen.

Ausblick und Fazit

Die entwickelte KI-Lösung kann einen deutlichen Mehrwert bieten, beispielsweise durch die automatische Kategorisierung von Störungen und die Reduzierung von Fehlalarmen. Die Implementierung eines angepassten Ticketsystems ist eine Option und ermöglicht es Solar Andresen, Wartungsarbeiten künftig noch gezielter zu planen.

Die Machbarkeitsstudie von Solar Andresen und KI.SH zeigt: KI-gestützte vorausschauende Wartung kann dabei helfen, Wartungsprozesse zu optimieren, Betriebskosten zu senken und die Zuverlässigkeit von Solaranlagen zu erhöhen. Die Kombination moderner Analyseverfahren ermöglicht es, auch bei komplexen Datenlagen wertvolle Einblicke zu gewinnen und eröffnet neue Wege für die Digitalisierung und Effizienzsteigerung im Energiesektor.

Solar-Energie Andresen GmbH

Hauptstraße 32
25917 Sprakebüll

Tel: +49 (0) 4662 – 882660
info@solar-andresen.de
https://solar-andresen.de/

Nach oben scrollen