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Rückblick: Die 6. KI-Landeskonferenz in Lübeck

Ungezwungener Begrüßungsdialog zu Beginn der Konferenz mit Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (3 v.l.), Prof. Dr. Helge Braun (2.v.l), Präsident der Universität zu Lübeck und unserem Moderationsteam Annika Wallbott, Life Science Nord, und Linus Prinz, KI.SH.

Bereits zum sechsten Mal traf sich die KI-Community Schleswig-Holsteins zur Landeskonferenz – in diesem Jahr erstmals mit einem klaren Fokus: Künstliche Intelligenz in Gesundheit und Medizin. Die Veranstaltung am 9. Oktober 2025 in den Media Docks Lübeck bot über 330 Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Politik eine Plattform für intensiven Austausch und neue Impulse. 

Im Mittelpunkt standen zentrale Herausforderungen des Gesundheitswesens: vom Fachkräftemangel bis zu den wachsenden Kosten und komplexen bürokratischen Prozessen. Und vor allem die Frage, wie Künstliche Intelligenz (KI) dazu beitragen kann, diese zu bewältigen. Dabei wurden praxisnahe Beispiele vorgestellt, etwa Systeme zur Entscheidungsunterstützung in Notaufnahmen, die Diagnosepfade beschleunigen und medizinisches Personal entlasten.

Unser kurzer Rückblick auf die 6. KI-Landeskonferenz

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Zeit für Fragen und Austausch: Eine Teilnehmerin stellt ihre Frage an den Referenten.

Angeregter Austausch vor und auf der Bühne – Podiumsdiskussion zu KI und Regulatorik

Die Podiumsdiskussion der 6. KI-Landeskonferenz befasste sich mit der Frage, wie KI-Regulatorik zwischen Innovationsförderung und Sicherheit gestaltet werden kann. Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitswesen betonten die Bedeutung klarer, zugleich flexibler Regelwerke. Regulierung schaffe Vertrauen und Patientensicherheit, dürfe Innovation aber nicht durch komplexe Vorgaben hemmen. Besonders im medizinischen Bereich wurde praxisnahe, sektorspezifische Regulierung gefordert, die früh in Entwicklungsprozesse integriert wird, um doppelte Prüfungen und Bürokratie zu vermeiden.

Dirk Schrödter erklärte: „Regulatorik, wenn sie klar ist in ihren Aussagen, gibt einen Rahmen, der Verlässlichkeit schafft. [...] Ob sie immer hilft, hängt davon ab, wie sie ausgestaltet ist.“

Eine weitere zentrale Frage war die Abstimmung von KI-Verordnung und Medizinproduktegesetz, damit vor allem Mittelständler und Start-ups nicht durch bürokratische Hürden gebremst werden. Alexander Sustal von Redeker-Sellner-Dahs sagte: „Was wir eigentlich mehr bräuchten, sind Normen, die Innovation fördern. [...] Technische Normen schaffen Märkte [...]. Es müsste mehr diesen Shift geben: weg von ‚Das ist ein Risiko‘ hin zu ‚wie fördere ich das, was ein Produkt wird?‘“

Regulatorik müsse von Beginn an mitgedacht werden, Klarheit schaffen und das Ziel statt den Weg in den Fokus rücken. Bürokratische Doppelstrukturen und kollidierende Vorschriften verunsicherten Unternehmen, besonders kleine. Der Prüfaufwand bei der Zulassung von Hochrisiko-Medizinprodukten und die Vielzahl beteiligter Behörden gelten als Hemmnisse – hier sei Konsolidierung notwendig. Innovationsanreize sollten bereits in Vergütungsstrukturen berücksichtigt werden.

Beim Thema Telemedizin betonte das Plenum, dass für die Versorgung im ländlichen Raum die IT-Infrastruktur weiter verbessert werden muss. Gemeinden sollten mehr Verantwortung übernehmen. Schleswig-Holstein ist hier mit 90 % Breitbandausbau bereits gut aufgestellt.

Die Diskussion schloss mit dem Appell für ein gemeinsames Mindset aus Mut, Vertrauen und Dialog. Regulierungsprozesse sollten nicht nur Risiken minimieren, sondern Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Patientennutzen in den Mittelpunkt stellen.

6. KI-Landeskonferenz in Zahlen
Registrierte Teilnehmende
Beiträge
Ausstellende
Beiträge aus ganz Schleswig-Holstein: Thomas Martinetz, Pattern Recognition Company GmbH, stellt die selbstentwickelte, KI-gestützte Immunfixationsdiagnostik vor.

Fachsessions mit Tiefgang

Die individuell gewählte  Sessionphase ermöglichte den Teilnehmer:innen eine inhaltliche Vertiefung und direkten Austausch mit den Referent:innen. In mehreren parallelen Sessions präsentierten die Speaker*innen ihre Fachgebiete und wie KI in diesen zum Einsatz kommt. Durch den Raum für Fragen entstand ein lebendiger Austausch.

Die Themenvielfalt war breit gefächert und spiegelte zentrale Aspekte der KI-Anwendung im Gesundheitswesen wider: Von technischen und ethischen Fragen wie Anonymisierung über konkrete Einsatzgebiete wie Prozessoptimierung, Pflege und die Interaktion zwischen Mensch und KI bis hin zu spezialisierten Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in der Pflege. Diese vielfältigen Gesprächsrunden boten den Teilnehmer:innen eine praxisnahe und tiefgehende Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen, die KI im medizinischen und pflegerischen Kontext eröffnet.

Daten, Regulierung und Mensch im Mittelpunkt

Ein zentraler Themenkomplex der Konferenz war die Datenverfügbarkeit, die im Gesundheitswesen ihre ganz eigene Herausforderung birgt. Patientendaten sind besonders sensibel und unterliegen strengen Datenschutzanforderungen. Das erschwert den Zugang und ihre Nutzung für KI-Anwendungen. Gleichzeitig birgt die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger und strukturierter Daten enormes Potenzial: KI kann medizinische Fachangestellte entlasten, Diagnosen beschleunigen und so mehr Zeit für die individuelle Betreuung schaffen.

Eine weitere entscheidende Hürde ist die Regulatorik. Medizinische KI-Systeme müssen nach dem Medizinproduktegesetz zertifiziert werden, was komplexe und aufwändige Prozesse bedeutet. Trotz dieser Herausforderungen bieten KI-Lösungen die Chance, dem wachsenden Leistungsdruck im Gesundheitswesen entgegenzuwirken und durch mehr Effizienz und personalisierte Betreuung eine deutlich höhere Serviceorientierung zu erreichen.

Ein Teilnehmer testet die Lübecker Toolbox des Fraunhofer IMTE für Chirurgietraining.

Ausstellung: KI-Innovationen für die Medizin von morgen

In der Ausstellung der 6. KI-Landeskonferenz konnten sich Besucherinnen und Besucher einen praxisnahen Eindruck von aktuellen Innovationen für den Gesundheitssektor verschaffen. Neben intelligenten medizinischen Geräten und KI-gestützten Prothesen wurden auch Systeme zur automatisierten Bildauswertung sowie interaktive Demonstratoren vorgestellt, die neue Wege etwa für die telemedizinische Versorgung und die datenschutzgerechte Analyse medizinischer Daten aufzeigen. Die präsentierten Exponate verdeutlichten, wie vielseitig und alltagsnah KI-Lösungen mittlerweile zur Verbesserung von Medizin und Gesundheitsversorgung eingesetzt werden.

Impulse aus der Start-Up-Szene

Am Nachmittag zeigten junge Unternehmen des StartUp-Accelerator Gateway49 in kurzen Pitches ihre innovativen Ideen für die Gesundheitsbranche. Die Bandbreite reichte von KI-basierten Analyseplattformen bis zu Tools für smarte Patientenkommunikation und verbessertes Monitoring in der Pflege: 

ASAP research automation bietet eine KI-gestützte Plattform zur ultraschnellen Analyse histologischer Bilder, mit dem Ziel, Analysezeiten von Monaten auf Minuten zu verkürzen und so die Forschung deutlich effizienter zu gestalten. SoftSocket entwickelt eine individuell anpassbare und erschwingliche Unterarm-Prothese, die dank eines KI-basierten Online-Bestellsystems ohne Orthopädietechniker auskommt und sich natürlichen Veränderungen im Gliedmaßenvolumen anpasst. Lumeox fokussiert sich auf die Notfall- und Intensivmedizin mit ihrem mobilen Blutanalysegerät „mobox“, das durch einen neuartigen optischen KI-Sensor besticht und robuste Diagnostik auch außerhalb des Klinikums ermöglicht. EchoScout kombiniert 3D-Bildrekonstruktion mit KI-gestützter Analyse, um aus Ultraschalldaten tiefere Einblicke zu gewinnen – eine Anwendung, die sowohl Ärzte als auch Physiotherapeuten und Trainer im Sport unterstützt.

Diese Startups stehen beispielhaft für die Innovationskraft, die im Gateway49 Programm gefördert wird, und zeigen eindrucksvoll, wie KI neue Perspektiven und Lösungen für das Gesundheitswesen eröffnet.

Unser Fazit

Die 6. KI-Landeskonferenz machte deutlich: Schleswig-Holstein ist ein starkes Zentrum für angewandte KI in der Medizin und der Standort wächst. Der offene Austausch zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik bildete die Grundlage für neue Kooperationen und zeigte, dass Innovation im Norden nicht nur gedacht, sondern gelebt wird.

Die Bedeutung des Faktors Mensch wurde auf der Konferenz immer wieder hervorgehoben. Künstliche Intelligenz soll nicht nur Prozesse automatisieren, sondern dabei helfen, mehr Zeit für die Patient:innen zu haben. Dies setzt einen interdisziplinären Ansatz voraus, der Expertise aus Medizin, Informatik, Ethik und weiteren Fachbereichen zusammenbringt. Der Diskurs während der Veranstaltung machte deutlich, dass der Mensch im Mittelpunkt aller KI-Entwicklungen stehen muss, um die Potenziale dieser Technologie nachhaltig und verantwortungsvoll zu nutzen.

Wir bedanken uns bei allem Teilnehmer:innen, dem Team der media docks sowie Radio Lübeck und den Sanitätern, die vor Ort für eine gelungene Veranstaltung gesorgt haben. 

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein, dem Netzwerk KI.SH, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Fraunhofer IMTE, der Technischen Hochschule Lübeck, der Universität zu Lübeck, der Uni-Transfer-Klinik Lübeck GmbH, Life Science Nord und der IHK Schleswig-Holstein ausgerichtet.

Der Livestream zum Nachschauen

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Veranstalter der 6. KI-Landeskonferenz

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KI.SH mit Link

Partner der 6. KI-Landeskonferenz

IHK Schleswig-Holstein
Life Science Nord
UniTransferKlinik Lübeck
Fraunhofer IMTE
DFKI
Technische Hochschule Lübeck (klein)
Universität zu Lübeck (groß)

Fotos: Stella Petersen und Matthias Nowc –  KI.SH

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