KI-Workshop bei Grünkonzept in Flensburg: Wie Flensburger Unternehmen Digitalisierung und KI im Alltag nutzen
Beim KI-Workshop der Wirtschaftsförderungs- und Regionalentwicklungsgesellschaft Flensburg/Schleswig mbH (WiREG) bei der GrünKonzept Flensburg GmbH stand im Mittelpunkt, wie regionale Unternehmen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Betriebsalltag einsetzen. Der Fokus lag dabei besonders auf dem Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen.
GrünKonzept: Wachstum im GaLa-Bau durch Digitalisierung
Nach der Begrüßung durch Temur Fayeq und einem Impuls zu den Angeboten von KI.SH ging es direkt in die Unternehmensbeispiele. GrünKonzept-Geschäftsführer Volkmar Schonert machte deutlich, wie stark Digitalisierung den GaLa-Betrieb in den letzten Jahren verändert hat: Von ursprünglich 12 Mitarbeitenden ist das Unternehmen auf 44 Mitarbeitende gewachsen. Ein Wachstum, das aus seiner Sicht ohne digitale Werkzeuge in Planung, Projektsteuerung und Verwaltung nicht möglich gewesen wäre. Gleichzeitig betonte er, dass auf diesem Weg auch Fehler gemacht wurden. Ein zentrales Learning betonte Volkmar Schonert: "Es muss nicht alles digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann." Diese Einstellung hat heute zu einer bewussteren und nachhaltigen Digitalisierungsstrategie geführt.
Anhand von drei konkreten Alltagsbeispielen zeigte GrünKonzept, wie sich die Strukturen im Unternehmen entwickelt haben: vom CRM über digitales Baustellenmanagement bis hin zu internen Wissens- und Onboardingprozessen. Immer wieder wurde deutlich: Eine Initialzündung reicht nicht. Es braucht Disziplin, klare Zuständigkeiten und den Willen, neue digitale Abläufe im Alltag konsequent zu leben.
CRM, Baustellenmanagement und KI-Visualisierung im GaLa-Alltag
Im Bereich CRM stellte Pascal Fischer-Huy vor, wie Kundendatenpflege, Projekt- und Ressourcenmanagement, Massenlisten und Angebotserstellung heute zentral organisiert sind. Über Schnittstellen zu Baumschulen greifen die Mitarbeitenden auf tagesaktuelle Preise, Konditionen und Rabatte zu. So entfallen viele Rückfragen zu Verfügbarkeit und Kosten, und Kalkulationen können weitgehend automatisiert erfolgen. Dies stellt einen wichtigen Effizienzgewinn für ein wachsendes GaLa-Unternehmen wie GrünKonzept dar.
Lars Nickel stellte das Baustellenmanagement vor. Für dieses setzt GrünKonzept auf Trello in Kombination mit Planuary: Alle Projekte werden in einem Kanban-System abgebildet, der Status der Baustellen ist für alle Mitarbeitenden transparent und zusätzlich in einer Kalenderansicht planbar. Durch diese Tools ist es möglich, zuverlässig langfristig zu planen. Auch Krankheitsfälle können durch die Übersicht über anstehende Aufgaben leichter kompensiert werden. Allgemein erleichtert die Transparenz, die mit Hilfe der beiden Planungstools erreicht wurde, die innerbetriebliche Zusammenarbeit.
Zusätzliche Automatisierungen mit Zapier unterstützen wiederkehrende Abläufe und binden auch den Maschinenpark ein, etwa bei Reparaturterminen, Erinnerungen und Anleitungen, auf die Mitarbeitende per Tablet oder Smartphone zugreifen.
Ein Highlight war der Einblick in die Visualisierung von Projekten mit Künstlicher Intelligenz: Aus vorhandenen Plänen werden mit Hilfe von KI-Bildtools wie Gemini schnell und kostengünstig aussagekräftige Projektvisualisierungen erzeugt, die im Vertrieb als starkes Verkaufsargument dienen. Die Erfahrung von GrünKonzept: Es braucht weiterhin einen fachlich fundierten Entwurf, das Prompting ist „Trial and Error“. Aber es ist keine spezielle IT-Ausbildung notwendig, wie Pascal als gelernter GaLa-Bauer eindrucksvoll demonstrierte.
Unternehmenskultur, Wissenstransfer und Grenzen der Digitalisierung
Neben den eingesetzten Tools spielte die Unternehmenskultur eine zentrale Rolle im Workshop in Flensburg. GrünKonzept setzt auf ein internes Intranet mit Wissensdatenbank für wiederkehrende Themen, von Basiswissen bis zu fachlichen Details, zu dem alle Mitarbeitenden beitragen können. Ergänzend nutzt das Unternehmen Onboarding-Videos, die den Einstieg in betriebsinterne Abläufe beschleunigen und Arbeitsschutz- sowie Gefährdungsbeurteilungen nachvollziehbar dokumentieren.
Mehrfach hob Volkmar Schonert hervor, dass Transparenz eine der größten Stärken der genutzten Systeme ist. Die digitale Abbildung von Projekten und Prozessen eröffnet auch Schnittstellen zu Subunternehmern, wenn diese mit denselben Tools arbeiten. Gleichzeitig empfiehlt er, bewusst Bereiche analog zu halten: Für kurzfristige Einsatzplanung nutzt GrünKonzept zum Beispiel weiterhin Planwände, während die langfristige Planung ohne digitale Unterstützung kaum vorstellbar wäre.
Holm Stahl- und Metallbau: Digitalisierung im Projektgeschäft mit öffentlichen Auftraggebern
Den zweiten Einblick in die Praxis steuerte Dr. Caspar von Gyldenfeldt von der Holm Stahl-Metallbau GmbH & Co KG bei, ein familiengeführter Betrieb mit 35–40 Mitarbeitenden. Das Unternehmen arbeitet vor allem projektbasiert für öffentliche Auftraggeber, unter anderem für die Hochbahn Hamburg und regionale Bauprojekte wie die Grundschule Fruerlund in Flensburg. Ausgangspunkt der Digitalisierung waren deutliche Schmerzpunkte im CAD-Bereich, etwa fehlende Schnittstellen und 3D-Funktionen, die den Alltag im Stahl- und Metallbau erschwerten. Über eine Förderung der WTSH (DKU) erhielt das Unternehmen einen entscheidenden Impuls, um Prozesse neu zu denken und passende Softwarelösungen zu finden. Sein Fazit: "Das ist mächtig, so etwas Gutes habe ich sonst nicht gesehen. Und der Aufwand ist wirklich fair."
Im Workshop wurde sichtbar, wie wertvoll der externe Blick für Unternehmen wie Holm Stahl- und Metallbau sein kann. Der Berater unterstützte nicht nur bei Auswahl und Anpassung eines CAD-Systems, sondern auch bei Strategieentwicklung, Change Management und internen Workshops, die Mitarbeitende informieren, einbinden und in die Verantwortung nehmen. Ergänzend nutzte Holm das INQA-Coaching, um das Team gezielt zu beteiligen und eigenverantwortliches Arbeiten sowie die Entwicklung eigener Verbesserungsideen zu fördern. Die zentrale Botschaft: Digitalisierung ist weit mehr als neue Software oder Hardware: Sie ist ein dauerhafter Prozess, der den Blick auf Abläufe und Zusammenarbeit grundlegend verändert.
Fördermöglichkeiten und tieferer Austausch beim Networking
Zum Abschluss gab Jan Cornils einen kompakten Überblick über die Bandbreite an Fördermöglichkeiten für die Digitalisierung, die besonders auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten sind und Kerstin Schultheiß stellte spontan das INQA-Coaching vor.
Beim anschließenden Networking konnten die Teilnehmenden konkrete Fragen aus der Praxis mit den Referent:innen vertiefen. Auch erste Ideen für KI-Lösungen wurden diskutiert. GrünKonzept selbst formulierte den Wunsch, die auf Basis der CRM-Daten möglichen Auswertungen und KI-Ansätze gemeinsam mit KI.SH weiterzudenken. Der Workshop war ein Beispiel dafür, wie praktische Digitalisierungserfahrung und KI-Kompetenz zusammenfinden können und so die Wettbewerbsfähigkeit von KMU in Schleswig-Holstein stärken kann.
