zum Hauptinhalt springen
Menü

KI-gestützte Generierung elektronischer Patientenakten

Wie lassen sich synthetische Patientenakten erzeugen, die echten Praxisdaten nahekommen, ohne auf reale Patientendaten angewiesen zu sein? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Machbarkeitsstudie von KI.SH und dem Kieler Praxissoftware-Unternehmen T2med GmbH & Co. KG. Das Ergebnis ist eine funktionierende Pipeline, die vollständig synthetische Patientendaten erzeugt und damit den Weg zu einer KI-gestützten Zusammenfassung elektronischer Patientenakten ebnet.

Das Team der gemeinsamen Machbarkeitstudie von T2med und KI.SH - von links: Thies Schönfeldt, Thorleif Harder, Josef Küstner und Dominik Hirsch von KI.SH sowie von T2med: Olaf Greve, Gerrit Collienne, Nancy Freuer, Jonas Noodt und Peter von der Burchard.

Zu wenig Zeit für die Patientenakte: ein bekanntes Problem in der Arztpraxis

Ärztliches Fachpersonal steht täglich vor derselben Herausforderung: Die elektronische Patientenakte enthält viele Informationen, die Zeit für eine gründliche Durchsicht fehlt. Wichtige Details können dabei übersehen werden, mit möglichen Folgen für die Behandlungsqualität. T2med, 2012 von dem Allgemeinmediziner Dr. Hans Joachim von der Burchard in Kiel gegründet, hat sich auf die Entwicklung von Praxissoftware spezialisiert und sieht in diesem Zeitproblem einen konkreten Ansatzpunkt für den Einsatz von KI.

Um dem Problem zu begegnen, verfolgt T2med das Ziel, eine KI-gestützte Entscheidungshilfe zu entwickeln, die Patientenakten automatisch zusammenfasst und relevante Informationen schnell verfügbar macht. Für das Training eines solchen Modells werden jedoch geeignete Patientendaten benötigt. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass Patientendaten lokal in den Arztpraxen liegen und diese aus Datenschutzgründen nicht ohne Weiteres verlassen dürfen. Das Ziel der vorliegenden Machbarkeitsstudie war daher die Erzeugung synthetischer Patientendaten. Dabei werden künstlich generierte Patientenakten erstellt, die echten Daten strukturell ähneln, aber keine realen Personen abbilden.

Porträtfoto Peter von der Burchard
Peter von der Burchard
Geschäftsführender Gesellschafter, T2med
"Das hat uns sehr nach vorne gebracht und gezeigt, was funktioniert und wie wir mit KI weiterarbeiten können."

Das Team von T2med disktuiert angeregt die Ergebnisse und Potenziale der Machbarkeitsstudie mit dem Team von KI.SH.

Was die Studie zeigt – und was noch zu lösen bleibt

Die Pipeline läuft und liefert ordentliche Ergebnisse. Ein einzelner synthetischer Patient lässt sich zu sehr geringen Kosten erzeugen, ein erheblicher Unterschied zu dem Aufwand, den eine manuelle Erstellung durch Ärzte bedeuten würde.

Gleichzeitig benennt das Projektteam die Grenzen der Machbarkeitsstudie: Die Daten sind vollständig synthetisch, die Validierung erfolgt zirkulär durch dasselbe Sprachmodell, das auch die Generierung übernimmt. Die Stichprobe für die Arzt-Evaluation war klein, und Skalierungskosten – etwa für LLM-APIs und LabelStudio-Lizenzen – fallen mit zunehmender Menge durchaus ins Gewicht. Gerrit Collienne, Verantwortlicher für die KI-Features von T2med, brachte es auf den Punkt: „Die Machbarkeitsstudie ist eine sehr gute Basis, aber wie schließt man die Lücke zwischen synthetischen und echten Daten im großen Stil? Das ist eine unserer zukünftigen Herausforderungen."

Ausblick: Von der Pipeline zur KI-Zusammenfassung im Praxisalltag

Die entwickelte, prototypische Pipeline kann zukünftig in das T2med-Ökosystem integriert werden. Sämtliche Ergebnisse sowie der erstellte Code des KI.SH-Teams wird für die weitere Umsetzung zur Verfügung gestellt. Diese Weiterentwicklung kann folgende Aspekte umfassen: ein Vergleich verschiedener Sprachmodelle, die Anbindung externer Datenbanken wie einer Medikamentendatenbank, kürzere Laufzeiten sowie automatisiert berechenbare Metriken, die einen objektiven Vergleich synthetischer und echter Daten ermöglichen.

Denkbar sind darüber hinaus weitere Funktionen: Unterstützung bei Anträgen, Abrechnungshilfe oder Diagnoseunterstützung.

Das konkrete Ziel, eine KI-gestützte Zusammenfassung der elektronischen Patientenakte für den Praxisalltag zu entwickeln, wird als möglich eingestuft. Und mit der Machbarkeitsstudie ist bereits ein zentraler Schritt in die Umsetzung gemacht worden. Peter von der Burchard, Geschäftsführender Gesellschafter der T2med GmbH & Co. KG fasste das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem KI.SH-Team treffend zusammen: „Das hat uns sehr nach vorne gebracht und gezeigt, was funktioniert und wie wir mit KI weiterarbeiten können."

Für Unternehmen und öffentliche Institutionen, die mit sensiblen personenbezogenen Daten arbeiten, zeigt das Kieler Projekt einen konkreten Weg, wie qualitativ hochwertige, synthetische Daten hierfür erzeugt werden können.

Häufig gestellte Fragen

Was sind synthetische Patientendaten?

Synthetische Patientendaten sind künstlich erzeugte Datensätze, die echten Patientenakten strukturell ähneln, aber keine realen Personen abbilden. Sie ermöglichen das Training und Testen von KI-Systemen im Gesundheitsbereich, ganz ohne Datenschutzrisiko.

Wie funktioniert eine KI-gestützte Zusammenfassung der Patientenakte?

Ein Sprachmodell analysiert die Einträge einer elektronischen Patientenakte und stellt dem ärztlichen Fachpersonal die relevantesten Informationen übersichtlich bereit. So lässt sich schneller ein Überblick gewinnen, ohne wichtige Details zu übersehen.

Wo werden die Daten verarbeitet?

Die Datenverarbeitung erfolgt EU-konform. Mit entsprechender Einwilligung ist der Einsatz rechtlich zulässig.

Nach oben scrollen