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KI im Einzelhandel: Diebstahlerkennung für autonome Supermärkte

Autonome Supermärkte gewinnen insbesondere in ländlichen Regionen zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen Einkäufe rund um die Uhr, reduzieren den Personalaufwand und schaffen neue Möglichkeiten für die Nahversorgung. Gleichzeitig entsteht jedoch eine zentrale Herausforderung: Wie können Betreiber erkennen, ob alle entnommenen Produkte tatsächlich bezahlt wurden?

Genau mit dieser Fragestellung beschäftigte sich die Delphi Retail GmbH gemeinsam mit KI.SH im Rahmen einer Machbarkeitsstudie.

Ziel war die Entwicklung einer KI-basierten Lösung zur Unterstützung der Diebstahlerkennung in autonomen Supermärkten. Dabei stand nicht die vollständige Automatisierung im Vordergrund, sondern die Frage, wie moderne Bildverarbeitung und Künstliche Intelligenz Betreiber bei der Identifikation möglicher Warenverluste unterstützen können.

Für Handelsunternehmen ist dieses Thema hochrelevant: Mit der wachsenden Zahl personalloser Verkaufsstellen steigt der Bedarf an wirtschaftlich tragfähigen Sicherheitslösungen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen benötigen Systeme, die sich ohne hohe Investitionen einsetzen lassen und gleichzeitig skalierbar sind. hier setzte die Machbarkeitsstudie an.

Sprang-Geschäftsführer Georg Mentz gemeinsam mit dem Team von KI.SH (v.l.): Dominik Hirsch, Caroline von Dresky, Thies Schönfeldt, Bennet Kahrs und Kim Reiser.

Wie die KI mögliche Warenverluste erkennt

Der entwickelte Ansatz orientiert sich an einer einfachen, aber umso praktischeren Idee: Statt das gesamte Videomaterial auszuwerten, konzentriert sich das System ausschließlich auf Bereiche, in denen sich während eines Kundenbesuchs etwas verändert hat.

Dazu werden Aufnahmen vor und nach dem Einkauf miteinander verglichen. Die Veränderungen in den Regalen werden mittels herkömmlicher Bildverarbeitung identifiziert. Die KI analyisiert anschließend nur diese relevanten Bildbereiche. Mithilfe moderner Verfahren der Bildverarbeitung erkennt und zählt das System die sichtbaren Produkte. Danach wird geprüft, ob die Anzahl der entnommenen Artikel mit den tatsächlich bezahlten Produkten übereinstimmt.

Stimmen die Zahlen nicht überein, wird der Vorgang als möglicher Verdachtsfall markiert. Eine abschließende Bewertung erfolgt weiterhin durch einen Menschen. Dadurch entsteht ein praxisnaher Ansatz, bei dem KI unterstützt, aber keine eigenständigen Entscheidungen trifft.

Ergebnisse: Vollautomatische Diebstahlerkennung bleibt anspruchsvoll

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden verschiedene KI-Modelle miteinander verglichen. Untersucht wurden sowohl Verfahren zur Objekterkennung als auch moderne Segmentierungsmodelle, die einzelne Produkte besonders präzise erfassen können.

Die Ergebnisse zeigen, dass aktuelle KI-Verfahren bereits viele Veränderungen in Regalen zuverlässig erkennen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine vollständig automatisierte Diebstahlerkennung unter realen Bedingungen weiterhin herausfordernd ist. Schwierigkeiten entstehen insbesondere bei dicht gepackten Produkten und ungewöhnlichen Verpackungen.

Die Genauigkeit der getesteten Modelle reichte deshalb noch nicht aus, um vollständig automatisierte Entscheidungen über mögliche Diebstähle zu treffen.

Fazit: KI als Assistenzsystem statt automatischer Kontrolle

Die Machbarkeitsstudie von Delphi Retail und KI.SH zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial Künstliche Intelligenz für die Digitalisierung des Einzelhandels besitzt. Zwar ist eine vollständig automatisierte Diebstahlerkennung in autonomen Supermärkten aktuell noch nicht zuverlässig genug für den Praxiseinsatz. Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass KI dabei helfen kann, verdächtige Vorgänge gezielt zu identifizieren und den Aufwand für die manuelle Videoanalyse erheblich zu reduzieren.

Für Geschäftsführende sowie IT- und Digitalisierungsverantwortliche liefert das Projekt damit eine wichtige Erkenntnis: Der größte Mehrwert von KI entsteht häufig nicht durch die vollständige Automatisierung eines Prozesses, sondern durch die intelligente Unterstützung von Mitarbeitenden bei zeitaufwendigen Aufgaben.

Fotos: Matthias Nowc
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