Big Data und KI-Plattform für Schleswig-Holstein: BiT SEA-SH startet mit 780.000 Euro Förderung
Neue vertrauenswürdige Plattform soll Hochschulen, Behörden und Unternehmen den Zugang zu modernsten Datenverarbeitungstechnologien ermöglichen
Die digitale Transformation Schleswig-Holsteins erhält bedeutenden Rückenwind: Am 30. September 2025 übergab Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister und Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein, Förderbescheide in Höhe von rund 780.000 Euro für das innovative Forschungsprojekt "Big Data Trusted Science AI Plattform Schleswig-Holstein (BiT SEA-SH)" an der Technischen Hochschule Lübeck. Die ambitionierte Initiative soll eine technologische Lücke schließen, die für moderne KI-Anwendungen entscheidend ist.
Antwort auf stark wachsende Datenmengen
Daten sind der neue, wertvolle Rohstoff, um Prozesse zu beschleunigen, fundierte Entscheidungen schneller treffen und Technologien wie KI effektiver anwenden zu können. Die Herausforderung ist klar: Viele Datenmengen sind mittlerweile so umfangreich oder komplex geworden, dass klassische Datenbanksysteme an ihre Grenzen stoßen.
Prof. Dr. Horst Hellbrück, Projektleiter und Leiter des Kompetenzzentrums CoSA der TH Lübeck, verdeutlicht das Problem anhand eines praktischen Beispiels: "30 Minuten Fahrt mit modernen Sensorsystemen können eine 10-Terabyte-Festplatte vollständig füllen." Diese Datenflut, die auch als "Datensee" bzw. "Data Lake" bezeichnet wird, liegt häufig in völlig unterschiedlichen Formaten vor und kann nicht von einem einzelnen Rechner verarbeitet werden.
Skalierbare Lösung für das ganze Land
BiT SEA-SH entwickelt eine horizontal skalierbare, hochverfügbare und vertrauenswürdige KI-Plattform für Daten und KI-gestützte Data-Science-Anwendungen. Das Besondere: Je mehr Daten entstehen und verarbeitet werden müssen, desto mehr Rechenleistung kann dynamisch hinzugezogen werden. Diese Flexibilität macht die Plattform zu einer zukunftssicheren Lösung für wachsende Anforderungen.
Die Zielgruppen sind breit gefächert: Hochschulen, Landesbehörden und Unternehmen in Schleswig-Holstein können von der Infrastruktur profitieren. Besonders kleine und mittlere Unternehmen erhalten die Möglichkeit, eigene Sensordaten und KI-Anwendungen zu integrieren, ohne selbst massive IT-Infrastrukturen aufbauen zu müssen.
Starkes Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft
Das Projekt vereint die Kompetenzen führender schleswig-holsteinischer Institutionen: Die Technische Hochschule Lübeck übernimmt Projektkoordination und Konzeption der Plattform, die Universität zu Lübeck arbeitet an der technischen Umsetzung mit. Die Kontor Business IT GmbH steuert Expertise in der Systemarchitektur bei, während die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) für Wissenstransfer und Projektkommunikation verantwortlich ist.
Praktische Anwendungen und Potenziale
Die Plattform eröffnet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten: Unternehmen können prototypisch ihre Lösungen umsetzen und Echtzeit-Datenanalysen durchführen. Darüber hinaus bietet BiT SEA-SH Unterstützung bei der KI-basierten Cyberabwehr – die Plattform kann helfen, Angriffe zu erkennen und die damit einhergehenden Datenmengen zu verarbeiten.
Dabei verfolgt die Plattform einen konsequenten Open-Source-Ansatz. Dadurch stärkt BiT SEA-SH die Datensouveränität und reduziert digitale Abhängigkeiten von proprietären Lösungen – im Einklang mit der Open-Source-Strategie des Landes Schleswig-Holstein.
Perfekte Ergänzung zum KI-Ökosystem
BiT SEA-SH fügt sich nahtlos in die KI-Landschaft Schleswig-Holsteins ein. Die Plattform bildet eine ideale Anschlussstelle an unsere KI.SH-Machbarkeitsstudien: Mit kleinen Datenmengen kann zunächst die Machbarkeit geprüft werden. Ist diese bewiesen, können die großen Datenmengen in BiT SEA-SH verarbeitet werden. Dabei wird transparent gemacht, welche Ressourcen für die Verarbeitung benötigt werden.
Langfristige Perspektive bis 2027
Mit BiT SEA-SH positioniert sich Schleswig-Holstein als Vorreiter für vertrauenswürdige, offene Big-Data- und KI-Infrastrukturen. Die Plattform verspricht, nicht nur die Forschungslandschaft zu stärken, sondern auch der Wirtschaft des Landes neue Möglichkeiten im Umgang mit der Datenflut der Zukunft zu eröffnen.
Die Projektverantwortlichen geben Unternehmen und Nutzern eine wichtige Empfehlung mit auf den Weg: "Überlegen Sie Ihre Lösungen gleich so, dass sie skalierbar sind, zum Beispiel auf einer Plattform. Noch sind die Daten vielleicht nicht da, aber höchstwahrscheinlich werden sie kommen und müssen verarbeitet werden."
Fotos: Matthias Nowc – KI.SH
