4. KI-Profs-Netzwerktreffen: Generative KI in Wissenschaft und Forschung
Am 16.04.2026 drehte sich beim vierten KI.SH-Netzwerktreffen für KI-Profs alles um das Thema „GenAI in Wissenschaft und Forschung“. Mehr als 30 Teilnehmende kamen im Wissenschaftszentrum Kiel zusammen, um sich über den Einsatz und die Auswirkungen von generativer KI im wissenschaftlichen Arbeitsalltag auszutauschen.
Auf eine Begrüßung durch Thies Schönfeldt, Leiter des KI-Anwendungszentrums, und Dr. Helen Pfuhl, Geschäftsführerin des Digital Science Centers der CAU Kiel und Organisatorin der Veranstaltung, folgten drei Vorträge aus dem Netzwerk.
Agentische Systeme in der Forschung
Den Auftakt machte Dr. Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik und Leiterin des Zukunftslabors Generative KI (ZGKI) an der HAW Kiel mit einem Beitrag zum Status Quo und zur Zukunft der agentischen Forschungsunterstützung. Nach einem Rückblick auf Meilensteine der Entwicklung von KI-Agenten zeigte sie auf, dass sich die Wissenschaft zunehmend in Richtung automatisierter und assistierender Systemen entwickelt. Dabei betonte sie die Ambivalenz von Forschungsagenten und die Notwendigkeit, auch die Management-Ebenen von Hochschulen stärker für das Thema zu sensibilisieren.
Zudem berichtete Prof. Weßels von einem eigenen Praxistest, bei dem sie vier „klassische“ Agenten sowie ein explizit für Forschungszwecke entwickeltes System anhand identischer Vorgaben ein wissenschaftliches Paper erstellen ließ. Alle Systeme lieferten in kurzer Zeit brauchbare Ergebnisse, jedoch zeigten sich kleine Schwächen bei der Nachvollziehbarkeit: zum Teil waren angegebene Quellen nicht eindeutig oder vollständig auffindbar.
Abschließend verwies sie auf die kürzlich erschienene Leitlinie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die vier Prinzipien für die Nutzung von KI in der Begutachtung formuliert und Forschenden eine Orientierung bietet.
Die Leitlinie ist bei Interesse hier nachzulesen: KI in der Begutachtung | DFG
Im Anschluss knüpfte Dr. Niklas Beuter, Professor für KI und Data Science an der TH Lübeck, mit seinem Vortrag über agentische Systeme mit Zugriff auf Tools nahtlos an. Nach einer Einführung in die Funktionsweise von KI-Agenten, welche er aufgrund ihrer Vielseitigkeit als „Schweizer Taschenmesser der KI“ bezeichnete, ging er auch auf die mit dem Einsatz von KI-Agenten verbundenen Risiken und Herausforderungen ein. So sei etwa der Hintergrundprozess agentischer Systeme bisher nicht kontrollierbar, während gleichzeitig das sogenannte Tool-Calling erhebliche Mengen an Token verbraucht.
Darüber hinaus stellte Prof. Beuter das Model Context Protocol (MCP) als offene, modellübergreifend lesbare Schnittstelle vor und erläuterte die damit verbundenen Potenziale für die Integration von KI-Systemen. Weitere Infos zum MCP finden sich in unserem separaten Beitrag zu dem Thema: Model Context Protocol.
Abschließend präsentierte er aktuelle Forschungsprojekte der TH Lübeck, die im Plenum auf großes Interesse stießen und eine lebhafte Diskussion über mögliche hochschulübergreifende Kooperationen anregten.
Generative KI im Reviewprozess
Nach einer Kaffeepause präsentierten Dr. Isabella Peters, Professorin für Web Science an der CAU Kiel und am Leibniz ZBW, und Wirtschaftsinformatik-Masterstudentin Theepa Kalanathan ihr gemeinsames Forschungsprojekt über die Wahrnehmung von KI im Begutachtungsprozess wissenschaftlicher Arbeiten. Im Rahmen einer quantitativen Befragung wurden Forschende zu ihrer KI-Nutzung, ihren wissenschaftlichen Werten und Normen sowie ihren Forschungspraktiken befragt.
Die Ergebnisse zeigen, dass KI über alle Altersgruppen hinweg in der Forschung genutzt wird. Besonders verbreitet ist ihr Einsatz bei Übersetzungen und stilistischen Verbesserungen, während KI im eigentlichen Begutachtungsprozess bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich viele Forschende klare Richtlinien wünschen und Unsicherheiten hinsichtlich eines verantwortungsvollen KI-Einsatzes bestehen.
Der Vortrag mündete in eine angeregte Diskussion: Während einige Teilnehmende Potenziale zur Qualitätssteigerung im Reviewprozess sahen, wurde zugleich die Sorge geäußert, dass wissenschaftliche Leistungen durch einen zunehmenden KI-Einsatz an Wert verlieren könnten.
Zwischen Potenzial und Verantwortung
Die Veranstaltung verdeutlichte die Ambivalenz von KI-Tools im wissenschaftlichen Kontext. Zwischen Effizienzgewinnen, neuen Forschungsmöglichkeiten und offenen Fragen zur Qualitätssicherung und Verantwortung zeigte sich, dass der Umgang mit KI weiterhin aktiv gestaltet werden muss.
Das nächste KI.SH-Netzwerktreffen für KI-Profs findet am 28. Mai im Wissenschaftszentrum in Kiel statt. Kern der Veranstaltung ist ein Workshop zum Thema Digital Humanities.
