270.000 Euro für KI-Plattform aus Halstenbek: Land fördert die Entwicklung einer offenen Lösung für den Mittelstand
Undokumentiertes Expertenwissen in IT-Abteilungen kostet mittelständische Unternehmen täglich wertvolle Zeit. Die Hainzelman GmbH aus Halstenbek möchte dafür eine Lösung entwickeln: eine KI-Plattform, die firmeneigenes Wissen strukturiert zugänglich macht und das transparent, sicher und unabhängig von großen Tech-Konzernen. Am 19. Dezember 2025 überreichte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter dem Unternehmen im Rathaus Halstenbek einen Förderbescheid über rund 270.000 Euro für den projektbasierten Ausbau der Plattform.
Wenn Wissen in Köpfen statt in Systemen liegt
In zahlreichen mittelständischen Unternehmen liegt wichtiges Expertenwissen über komplexe Systeme oft undokumentiert vor. Dies erhöht den Einarbeitungs- und Rechercheaufwand für Mitarbeiter:innen erheblich und schafft Engpässe durch die Abhängigkeit von wenigen Fachexpert:innen. Künstliche Intelligenz könnte helfen, doch viele Unternehmen scheuen mit ihren Datenschätzen den Weg zu ChatGPT und Co. aus nachvollziehbaren Gründen: Datenschutzbedenken, Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und fehlende Kontrolle über sensible Unternehmensinformationen.
Genau hier setzt das KI-Projekt der Hainzelman GmbH an. Das Team um die Brüder Robin und Collin Müller entwickelt eine Plattform, mit der verteiltes Expertenwissen strukturiert und nachvollziehbar auffindbar gemacht werden kann. Sogenannte KI-Agenten übernehmen dabei die Vorarbeit im Hintergrund: zuverlässig, unaufdringlich und unter klaren Zugriffsregeln.
„Viele Mittelständler sehen die KI-Welle auf sich zurollen und haben Sorge vor dem Kontrollverlust über ihre Daten und Prozesse. Wir geben ihnen das Steuer in die Hand. Unsere Plattform ist kein undurchsichtiger KI-Monolith, sondern ein transparenter Werkzeugkasten, mit dem Unternehmen ihre eigenen, sicheren KI-Lösungen bauen – Schritt für Schritt und mit voller Kontrolle."
Robin Müller, Geschäftsführung Hainzelman GmbH.
Transparenter Werkzeugkasten statt undurchsichtiger KI-Monolith
Die Hainzelman-Plattform basiert auf einer modularen Architektur. Unternehmen bleiben unabhängig, weil sich Bausteine anpassen lassen. Die Plattform ermöglicht es, ganze Prozessketten zu automatisieren und bestehende Systeme anzubinden, auch über Abteilungsgrenzen hinweg. Die Daten bleiben dabei in EU-Rechenzentren oder im eigenen Haus.
Collin Müller, der sich seit 20 Jahren mit KI beschäftigt, betont: „Wir trennen, was getrennt sein muss: Datenhoheit, Betrieb und die Bausteine der Lösung." Die Plattform ermöglicht es, in Workflows verschiedene Modelle zu nutzen. Bei kritischen Schritten können ausschließlich selbst gehostete Modelle verwendet werden, bei weniger sensiblen Prozessen auch externe Lösungen. Über einen „Strict Mode" werden Daten nur aus vorgegebenen Quellen genutzt, um die sogenannten Halluzinationen großer Sprachmodelle zu reduzieren. Durch rollenbasierte Zugriffsrechte bleibt jederzeit nachvollziehbar, wer auf welche Informationen zugreifen kann.
Open Source als strategische Entscheidung
„Wir fühlen uns dem Open-Source-Gedanken verpflichtet und planen, wichtige Teile unserer Plattform öffentlich zugänglich zu machen", sagt Collin Müller. „Das gibt unseren Kunden die Freiheit, flexibel zu bleiben." Noch am Tag der Zuwendungsbescheidübergabe – bis nachts um 2 Uhr – stellte das Team Teile der Plattform unter der Apache-Lizenz als Open Source bereit. Das Projekt „deep-rock" ist seitdem öffentlich zugänglich. Das Unternehmen hofft, dass die Community hilft, die Lösung weiterzuentwickeln und von der Schwarmintelligenz zu profitieren.
Innovationsgeist made in Schleswig-Holstein
Bei der Übergabe des Förderbescheids informierte sich Digitalisierungsminister Dirk Schrödter gemeinsam mit Bürgermeister Jan Krohn, Bürgervorsteher Jan Gahde, den Projektmanagern von KI.SH sowie der Wirtschaftsförderung der Gemeinde über den Entwicklungsstand der Plattform.
„Hainzelman ist ein Musterbeispiel für KI-Knowhow und anwendungsorientierten Innovationsgeist made in Schleswig-Holstein", sagte Minister Schrödter. „Die flexible Plattform ermöglicht es besonders den zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen im Land, schnell und nutzerfreundlich wettbewerbsfähiger zu werden. Mit unserer KI-Strategie und dem engen Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung am Digitalstandort Schleswig-Holstein unterstützen wir Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft."
Mit der Förderung der Hainzelman-Plattform setzt Schleswig-Holstein ein klares Signal: KI-Lösungen für den Mittelstand müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch transparent, sicher und unabhängig sein. Die Plattform zeigt, dass sich technologische Souveränität und Innovation nicht ausschließen.
Fotos: Matthias Nowc – KI.SH
